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Die Zeit der Allaren

Buch I von: "Das schwarze Phantom"

ISBN: 978-3-8370-1853-0

9,90 EURO

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Olof, einst ein einfacher Bauer, wird vom Schicksal unerbittlich heimgesucht.  Er verliert erst Frau und Kind und kurz darauf seine Erinnerungen.  Sein Leben als Soldat des Reiches, in der rebellischen Allarenprovinz Erlija, liegt schon bald erneut in Scherben, als er, um der brutalen Lynchjustiz seiner Männer zuvorzukommen, eine Mörderin tötet.  Er wird daraufhin zur Zwangsarbeit in den Minen verurteilt. Währenddessen rüstet man sich im geheimnisvollen Tempel der Allaren für die Zerschlagung der Zivilisation …

 2008 wurde „Das schwarze Phantom“ erstmals veröffentlicht. Leider aber stiegen dabei die Verkaufskosten ins Unermessliche. Aus diesem Grund hatte sich der Autor entschlossen den Roman nun in drei Teile zu teilen und das schwarze Phantom fortan als Trilogie zu vermarkten.

Erstes Kapitel: Soldatenleben (Auszug)

                Acht Mann stark ritt die Patrouille auf dem Waldweg an den Nadelbäumen vorbei. Es war zwar erst der 25. Erste Ernte, aber in der Erlija Provinz, im Schatten des Drachenrückens, hoch im Norden des teriamischen Reiches, machte sich der Winter schon sehr früh bemerkbar. Die acht Soldaten trugen bereits schwere Mäntel und hatten ihre Kragen hoch gestülpt.
                „Augen offen halten“, befahl der Leutnant seinen Männern, die mit gesenkten Häuptern langsam vor sich hin ritten. Im Moment war es ruhig, selbst in Erlija, hier in der Allarenprovinz konnte sich dies aber schlagartig ändern, wie die Geschichte schon mehrmals bewiesen hatte. Vor allem jetzt, nach dem Fiasko der Hinrichtung des Grafen von Klargetam. Auch wenn am Morgen alles friedlich war, könnte die Patrouille am Nachmittag in einen Hinterhalt einer neuen Rebellengruppe geraten. Erlija Provinz war ein Pulverfass und selbst der Gedanke an ein brennendes Streichholz konnte hier alles in die Luft jagen. Er ritt inmitten seiner kleinen Truppe und folgte auch selber seinem Rat, vor allem hier im Wald ließ er seine Augen immer wieder das Unterholz untersuchen, blieb aber nie lange auf einen Punkt fixiert. Schulterlanges, glattes braunes Haar konnte man unter der Mütze des Leutnants entdecken. Im Gegensatz zu den meisten seiner Männer war sein Haar immer gut gepflegt und gewaschen. Der Bart um sein leicht spitzes Kinn war ebenfalls kurz gehalten und gut gepflegt. Es sei denn er war auf einer mehrtägigen Patrouille, wie heute, war der Rest seines Gesichts immer glatt rasiert, inzwischen konnte man auf seinen Wangen aber den Schatten eines Bartes entdecken. Seine braunen Augen wanderten über das Gelände. Seine Ohren schienen etwas zu schmal und leicht spitz, deshalb hatte ihn sein Freund, der blonde Zwergblut Albarich Jukun, schon oft damit geärgert, indem er ihn als verkleideten Allaren beschuldigte.
                Anfangs hatte der Leutnant dies vehement abgestritten, aber um ehrlich zu sein, er wusste es nicht. Er wusste er war dreißig Jahre alt, er wusste sein Geburtstag war am 14. Licht, mitten im Winter zwei Wochen nach der Wintersonnenwende. Aber seine Erinnerungen reichten nur knapp sechs Jahre zurück, damals, als er an der Musketierkasserne das Handwerk des Soldaten erlernte. Er wusste nicht, wo er herkam oder weshalb er sich an nichts erinnern konnte, aber er hatte seine Ausbilder schnell beeindruckt mit seinen Fertigkeiten sowohl im unbewaffneten Kampf als auch mit dem Degen, dem Säbel, der Muskete und der Pistole. Auch taktisch und strategisch war er seinen Kameraden weit voraus, sowohl bei den praktischen Übungen als auch abstrakt bei einem Fuchs und Gänse Spiel. Strategisches und taktisches Denken fiel ihm leicht und er wusste immer genau, wie und wann sein Gegner reagieren würde. Wo er das gelernt hatte, wusste er auch nicht. Aber er hatte sich freiwillig um einen Posten bei den Truppen Fürst von Falkenhorst zu Hohenstein, dem Gouverneur Erlijas, beworben. Weshalb, wusste er nicht, aber vielleicht hatte sein Freund ja recht, vielleicht floss das Blut der Dämonen in seinen Adern. Und nun war er hier in diesen gottverlassenen Wäldern, bei den Gott verfluchten Allaren, die ihm liebend gern in den Rücken schießen würden, wenn sie könnten. Sich bei dem Fürsten zu bewerben war der größte Fehler seines Lebens, zumindest des Teiles, an den er sich erinnern konnte, auch wenn er hier fast sofort befördert wurde. Der Fürst wusste ihn zu schätzen und der Argwohn des Leutnants hatte nichts mit seinem Vorgesetzten zu tun und auch nicht mit seinen Kameraden. Er hatte auch einige Freunde, wie Albarich zum Beispiel, der nach St. Albarich benannt wurde, dem Sagenheld, der die Hexenkönigin Sinjalla, die Allariom, die Vorfahren der Allaren, und die Schackonien, die schwarzen Phantome, in Urzeiten vernichtend geschlagen hatte. Aber irgendwie, wenn er alleine nachts auf seiner Bank lag, wünschte er sich, er wäre niemals nach Erlija gekommen, manchmal wünschte er sich, er wäre niemals Soldat geworden und manchmal glaubte er, er wäre als Bauer glücklicher geworden.
                Der schwarze Hengst, auf dem er ritt, war ein Geschenk des Fürsten für seine Hilfe, die Truppen des Fürsten auszubilden. Ein wertvolles, treues und gutmütiges Pferd, als er es zum ersten Mal streichelte, sprang ihm ein Name ins Gedächtnis, Kuldibar, er nannte den Hengst bei diesem Namen, obwohl er nicht wusste, weshalb er sich gerade an diesen Namen erinnerte. Es fühlte sich einfach gut an, das Pferd Kuldibar zu nennen und wenn er sich um das Tier kümmerte, fühlte es sich an, als hätte er das Tier schon lange besessen.
                „Herr Leutnant... Herr Leutnant? OLOF!“
                Als er seinen Namen hörte, schreckte der Leutnant aus seinen Gedanken auf. Neben ihm ritt Albarich und seine blauen Augen über der knolligen Nase blickten ihn fragend an.
                „Hattest Du nicht etwas von Augen offen halten gesagt?“
                „Wir sind gerade an einer toten Tanne vorbeigeritten auf der linken Seite, ein Hase flüchtete sich ins Gestrüpp, rechts waren Spuren eines Rehes, aber schon zwei Tage alt...“
                „Schon gut, schon gut, Du, mit Deinen Adleraugen, kannst wohl auch im Schlaf die Gegend beobachten“, unterbrach ihn der Zwergblut und zeigte auf die Wegkreuzung, „rechts oder links?“
                „Gerade aus“, antwortete der Offizier und alle sieben seiner Männer blickten ihn vorwurfsvoll an. Nicht nur bedeutete dies, sie würden noch vier Tage länger unterwegs sein, sondern "der Weg führt in das Gebiet der Gräfin Raljenna."
                Olof nickte.
                „Die Gräfin Raljenna! Die Gräfin, deren Mann und ältesten Sohn der Fürst vor zwei Wochen hinrichten ließ!“
Wieder nickte der Offizier.
                „Mit Verlaub, Herr Leutnant“, Albarich entschloss sich für seine Beschwerde seinen Vorgesetzten nicht beim Namen sondern beim Rang zu nennen, „wäre es nicht besser wir würden ein paar mehr Männer mitnehmen, wenn wir uns in diesen Uniformen auf dem Grund der Gräfin blicken lassen?“
                „Ja, Herr Jukun, das wäre besser, aber Erlija ist groß und die Armee des Fürsten ist klein, es gibt keine mehr Männer, denn, wie Sie genauso gut wie ich wissen, sind unsere Kameraden ohnehin auf weiter Front verstreut.“
                „In dem Fall, wäre es nicht besser erst einmal einen sehr großen Bogen um die Ländereien der Gräfin zu machen, bis Gras über die Sache gewachsen ist?“
                Der Leutnant blickte seinen Untergebenen an und konnte sich ein zynisches Lächeln nicht verkneifen.
                „Gras über die Sache gewachsen? Der Fürst hat den Grafen und seinen ältesten Sohn hinrichten lassen, vor den Augen der Gräfin und das auf den Verdacht aber ohne Beweise, dass der Graf eine Rebellion finanzierte, nur um drei Tage später herauszufinden, dass sowohl der Graf als auch sein Sohn unschuldig waren... und Du glaubst, es wird Gras über diese Sache wachsen? Die Befehle stammen direkt vom Fürsten, wir werden ins Gebiet der Gräfin reiten, um, wenn nötig, eine Rebellion noch im Keim zu ersticken.“
                Albarich blickte demonstrativ um sich und fragte dann ebenso zynisch wie sein Leutnant: „Mit acht Mann? Wir werden mit acht Mann eine Rebellion in Erlija unterbinden?“
                Der Offizier war lange Zeit ruhig. Genau diese Frage hatte auch er selbst dem Fürsten gestellt, als er diesen Befehl entgegen nahm. Der Fürst hatte ihm versichert, dass die Lage nicht ganz so brisant war, wie es schien und die Gräfin selbst nur wenig Einfluss hatte. „Schlimmstenfalls werden sich einige Bauernjungen um sie scharen und das können wir verhindern, wenn die Jungs bewaffnete Soldaten zu Gesicht bekommen.“ Aber dennoch sollte er von der Gräfin einen Treueschwur abverlangen. Der Leutnant wusste also nicht genau, was er glauben sollte. Er sprach nicht nur zu Albarich, sondern zu seiner ganzen Patrouille.
                „Unsere Befehle sind folgendermaßen. Wir werden uns auf den Ländereien der Gräfin sehen lassen, aber nichts tun, um die Zivilbevölkerung noch mehr zu verärgern. Das bedeutet, Finger weg von den Frauen! Es wird nichts geklaut, auch nicht nur eine einzige Himbeere oder Haselnuss! Es wird nicht getrunken und Sie werden sich auf keinerlei Glücksspiele einlassen. Wenn nötig, werden wir unsere Hilfe anbieten, aber nicht aufzwingen. Sollte es zu Ausschreitungen kommen, wird nicht geschossen, bis ich den Befehl dazu gebe.“
                „Das hört sich an, als würden wir eine ganze Zeitlang dort verweilen.“
                „Wenn alles gut geht, nur drei Tage. Ich habe speziell Euch sieben für diese Mission gewählt, denn ich weiß, ich kann mich auf Euch verlassen und als Belohnung werden wir alle nach dieser Mission sieben Tage frei bekommen.“
                Als es klar wurde, dass dies kein Spaß war, dass der Offizier es ernst meinte, sahen ihn seine Männer still schweigend an. Sie vertrauten ihm, auch wenn ein jeder von ihnen in diesem Fall ein ungutes Gefühl in der Magengegend verspürte. Auch Olof fühlte sich bei dieser Sache nicht wohl in seiner Haut. Auch er würde lieber rechts herum und an den Ufern des Falran entlang reiten, oder nach links zu dem Städtchen Jokurin, das immer friedlich blieb und in den letzten dreihundert Jahren keine der Rebellionen unterstützte. Er atmete tief durch und gebot seinen Mannen dann geradeaus weiter zu reiten und hoffte, dass er sie in fünf Tagen alle wieder zurückführen würde.
                Die Männer ritten nun sehr leise, keiner von ihnen hatte große Lust etwas zu sagen und alle waren nun sehr achtsam und beobachteten ihre Umgebung sehr genau.
                Einen Tag lang ritten sie noch durch den Wald, In der Nacht gab es jeweils zwei Wachen und das Essen war erbärmlich, ein Stückchen trockenes Brot und getrocknetes, salziges Schweinefleisch, aber Olof hatte es seinen Männern untersagt, in dieser Gegend auf die Jagd zu gehen, offiziell war der Wald noch nicht Teil der Ländereien der Gräfin, aber vor allem in diesem Fall war Vorsicht besser als Nachsicht. Der Leutnant wollte sich auf keinen Fall auf einen Streit einlassen, selbst wenn er wusste, er hatte recht.
                Am zweiten Tag erreichten sie am Vormittag die ersten Felder und Weiden. Die Schäfer gaben ihnen manchmal böse Blicke, aber keiner von ihnen wagte es, die Soldaten zu konfrontieren. Immer wieder erinnerte Olof seine kleine Truppe daran, zum einen ruhig zu bleiben, sich nicht reizen oder herausfordern zu lassen, aber zum anderen stolz, mit erhobenem Haupt und vorgestreckter Brust an den Leuten vorbeizureiten, um ihnen zu beweisen, dass sie keine Angst hatten. Wie erwartet, meisterten seine Leute diese Aufgabe hervorragend, sein Vertrauen in diese sieben Männer war nicht fehl am Platz und der Offizier wusste, dass selbst wenn die Dinge hässlich werden würden, mit diesen sieben hätte er eine gute Chance sich zurück zu den eigenen Linien durchzuschlagen. Aber so weit würde es hoffentlich gar nicht erst kommen.
                Am Nachmittag, die Burg der Gräfin konnte bereits in der Ferne gesehen werden, sahen die Soldaten eine Gruppe junger Männer auf einer Wiese. Sie waren unbewaffnet, aber wild gestikulierend erinnerte sie ein glatzköpfiger älterer Herr daran, dass sie Allaren waren, und dass das Reich sie schon immer misshandelte, die Ermordung des Grafen und seines Sohns sei nur das letzte vieler Vergehen des grausamen Fürsten von Falkenhorst zu Hohenfels gewesen.
                „Exerzierstellung“, befahl der Leutnant und seine Reiter formten eine Reihe mit genau zwei Schritten zwischen jedem Pferd, die Zügel in der Linken und den gezogenen Säbel in der Rechten, senkrecht nach oben gehalten.
                „Banner!“
                Einer der Reiter steckte den Säbel wieder weg, nahm den Spieß mit der aufgerollten Fahne von der Seite seines Sattels, entrollte die Flagge des Fürsten, ein schwarzer Falke auf rotem Grund, und hielt den Spieß senkrecht nach oben. Leise, damit nur seine Soldaten es hören konnten, warnte Olof seine Männer abermals sich nicht reizen zu lassen, dies sei ein Einschüchterungsversuch, keine Kriegserklärung.
                „Es wird kein Blut geben, es sei denn ich gebe den Befehl dazu, haben Sie mich verstanden?“
                „Jawohl, Herr Leutnant“, kam es gleichzeitig aus sieben Kehlen und die kleine Gruppe vermeintlicher Rebellen sah die fürstlichen Soldaten auf sie zureiten. Olof ließ seine Männer langsam und im Gleichschritt in einer langen Reihe reiten, ohne den angesammelten Jungen etwas zuzurufen. Es dauerte nicht lange und die ersten der Bauernjungen flüchteten. Der Redner versuchte den angesammelten Leuten noch einmal Mut zu machen, sie noch einmal daran zu erinnern, dass dies die verhassten Soldaten des mörderischen Fürsten waren, dass es aber nur acht von ihnen waren, aber kaum einer der angesammelten Männer hörte noch auf ihn. Die vermeintlichen Rebellen wurden nervös, immer mehr von ihnen flüchteten, bis auch der Glatzkopf es vorzog, sich aus dem Staub zu machen. Bis der Leutnant, in nur noch wenigen Schritten Entfernung von den verbleibenden Bauernjungen, seinen Leuten befahl zu halten, waren nur noch etwa die Hälfte der ursprünglich angesammelten Männer anwesend. Olof blickte sie eine Zeitlang still schweigend an, beobachtete, wie sich immer mehr der jungen Männer die Lippen mit der Zunge befeuchteten, wie sie nervös mit ihren Fingern spielten. Er befahl seinen Männern die Reihe zu halten, steckte selbst seinen Säbel weg und ritt noch ein paar Schritte vor, lehnte mit den Händen auf den Sattel und blickte die Männer halb freundlich und halb arrogant an. Dann sprach er sie an und ließ sein Verhalten langsam völlig freundlich wirken:
                „Ihr seid Bauern, keine Soldaten! Ihr habt es gelernt hier auf diesen Feldern eure Existenz zu fristen, aber vom Krieg versteht Ihr nichts und ich sehe es Euch an, dass Ihr wisst, Ihr habt keine Chance gegen ausgebildete Musketiere. Lasst Euch von Leuten wie diesen Glatzkopf nichts einreden! Ihr wisst, die Strafe für Rebellion ist hoch und die Bevölkerung, eure Familien, werden darunter leiden! Und was erreicht Ihr damit? Ihr werdet nach der Rebellion immer noch Bauern sein, nur, dass Ihr vielleicht mit verlorenem Arm oder Bein eure Arbeit nicht mehr ausführen könnt. Glaubt Ihr, dieser Glatzkopf kommt dann zurück und bestellt eure Felder für Euch? ... Glaubt Ihr, es interessiert sich einer für Euch, nachdem Ihr eure Köpfe für die Ideale anderer hingehalten habt? ... Glaubt Ihr, Euch geht es besser wenn, Ihr eure Steuern anstatt an den Fürsten an einen anderen Hohen Herrn zu zahlen habt? Ihr wisst, gleichgültig, was man sonst über den Fürst sagen kann, die Abgaben, die Ihr macht, sind nicht höher als anderswo im Reich und sind niedriger als die Abgaben, die von manchen der unabhängigen, einheimischen Adeligen verlangt werden. Würde es also für Euch besser werden, selbst wenn ihr eine Chance gegen die fürstliche Armee hättet? Wäre es die Opfer wert, die Ihr in einer solchen Rebellion bringen müsstet? Lasst Euch von Leuten wie diesem Glatzkopf nichts einreden! Leute wie diese sind diejenigen, die von einer Rebellion profitieren! Sie sind es, denen es hinterher besser geht, aber Euch wird es nicht besser gehen! Ihr seid diejenigen, die auf dem Schlachtfeld ihr Leben geben, während der Glatzkopf gemütlich zusieht und den Ausgang der Schlacht erwartet. Wenn Ihr gewinnt, wird er Euch Himmel hoch loben, bevor Ihr zurück zu euren Feldern geht und er seine Kriegsbeute genießt und wenn Ihr verliert, wird dieser Glatzkopf flüchten, so wie er es heute gemacht hat, um dann andere junge Männer aufzufordern, für ihn zu kämpfen. Ihr seid Bauern! Geht nach Hause, kümmert Euch um eure Felder und euer Vieh oder steigt mit euren Frauen in die Betten oder ins Heu. Für das gemeine Volk hat der Krieg nur Elend, Trauer und den Tod zu bieten! Geht nach Hause und vergesst nicht, der Fürst bietet zehn Goldkronen Belohnung für die Ergreifung von Rebellenführern wie diesen Glatzkopf. Wenn Ihr eure Leben verbessern wollt, von zehn Goldkronen lässt es sich leben! Jetzt geht nach Hause und erinnert Euch an meine Worte, das nächste Mal wenn Euch einer vom Krieg predigt!“
                Froh, dass sie alle noch am Leben waren und dass sich der fürstliche Offizier keine Namen aufgeschrieben hatte, verstreuten sich die Bauernjungen in alle Himmelsrichtungen. Einige dankten ihm sogar für seine Gnade. Der Leutnant wusste, viele dieser jungen Männer würden sich auch beim nächsten Mal wieder etwas von Ehre und Stolz vorgaukeln lassen und sollte es zur Rebellion kommen, würde er viele dieser Jungen auf dem Schlachtfeld wiederfinden, aber einige schienen seine Worte ernst genommen zu haben und für ihn war das ein Erfolg. Er konnte den Lauf der Geschichte nicht abändern, nicht alleine, aber er konnte kleine Teile dazu beitragen, so wie heute.
                „Säbel wegstecken, behaltet aber das Banner!“
                Genau gleichzeitig verschwanden die sechs Reitersäbel wieder in den Scheiden und die acht Soldaten ritten weiter, um an diesem Abend noch die Burg der Gräfin zu erreichen. Die Soldaten waren nun etwas besser gelaunt und ihr Vertrauen in die Fähigkeiten ihres Offiziers war abermals gestiegen. Albarich ritt neben ihm und grinste durch seinen dicken strohfarbenen Bart von einem großen, runden Ohr zum anderen.
                „Nicht schlecht Herr Specht! Nicht schlecht! Ich muss sagen, ich bin beeindruckt, Herr Leutnant“, bemerkte der Zwerg und sprach dann lauter, damit ihn auch die anderen Männer der Truppe hörten: „Wenn es einer schafft, mit acht Mann eine Rebellion zu verhindern, dann ist das unser Leutnant Heralfen!“
                „Hört, hört“, jubelten die anderen sechs Soldaten.
                Olof ließ sie eine Zeitlang jubeln und ließ sich eine Zeitlang loben, bis er seine Männer daran erinnerte, dass sie immer noch in gefährlichem Gelände verweilten und sie aufforderte, weiterhin achtsam zu bleiben, Albarich nahm diesen Befehl nicht so ernst und plapperte frohen Mutes weiter.
                „Du weißt, ich bin schon eine Zeitlang dabei und ich habe schon unter vielen Offizieren gedient, aber keiner davon hätte das geschafft, was Du heute geschafft hast. Bestenfalls hätten sie ein Blutbad verhindern können, aber Du...? Mindestens die Hälfte der Jungen haben Dir tatsächlich zugehört und Deine Worte auch ernst genommen“, sagte Albarich voller ehrlicher Bewunderung.
                „Ich glaube, Du zeigst mir zu viel Bewunderung, wenn man Dir zuhört, könnte man meinen, ganz Erlija wäre durch meine Worte plötzlich friedlich geworden. Ich habe einen Provokateur vorläufig in die Flucht geschlagen, aber er wird wiederkommen, und wenn nicht er, dann ein anderer, die jungen Männer werden ihm wieder zuhören und das nächste Mal werde ich nicht zufällig in der Nähe sein, um die Gemüter wieder zu kühlen.“

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